Bericht im Solinger Tageblatt v. 1.11.2018 zur Fotoausstellung über Kaffeeanbau in Nicaragua

Ausstellung

In jeder Tasse Kaffee steckt harte Arbeit

Julia Ogiermann (l.) und Sibylle Arians führten durch die Schau „Kaffee aus Jinotega – Fair zum Menschen und fair zur Natur“. Foto: Christian Beier

Julia Ogiermann (l.) und Sibylle Arians führten durch die Schau „Kaffee aus Jinotega – Fair zum Menschen und fair zur Natur“.

Bei einem Abend mit der Verbraucherzentrale erläuterte Sybille Arians ihre Fotoausstellung über den Anbau im nicaraguanischen Jinotega.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Fröhlich lächelt die Kaffeepflückerin auf dem Foto in die Kamera: Sorgfältig ist sie gerade dabei, die bereits roten, reifen Früchte von den Sträuchern zu sammeln und die noch grünen hängen zu lassen. Ein Vorgang, der oft wiederholt werden muss, denn die Reifezeit der Früchte eines Kaffeestrauches ist unterschiedlich lang.

Auf anderen Fotos spielen Kinder munter im Schlamm der nassen Jahreszeit: Geerntet wird, wenn genug Regen gefallen ist, um die Früchte mit dem Wasser der dann gut gefüllten Bäche zu waschen. „Manchmal helfen Kinder auch, versehentlich gepflückte grüne Beeren auszusortieren“, erläuterte Sybille Arians den rund 30 Zuhörern während eines Rundgangs in der Ausstellung im VHS-Forum.

Mit Gleichgesinnten das Projekt des Jinosol-Kaffees initiiert

Hier präsentierte die pensionierte Lehrerin als engagiertes Mitglied des Vereins „Städtefreundschaft mit Jinotega“ ihre eindrucksvollen Fotos, die sie während ihrer zahlreichen Reisen in die nicaraguanische Stadt gemacht hat. Seit sie mit Gleichgesinnten das Projekt des fair gehandelten Jinosol-Kaffees initiiert hat und stetig engagiert begleitet, ist sie tief in das Thema „Kaffeeanbau“ eingestiegen. „Meine Bilder erheben nicht den Anspruch, künstlerisch wertvoll zu sein, sondern erzählen die Geschichte, wie viel Mühe es bedeutet, aus Kaffeesamen Pflanzen zu ziehen, sie mehrfach auszusortieren, umzutopfen, sie möglichst ohne chemische Düngung zu pflegen und zu jäten, und nach drei Jahren, nach der ersten Blüte, die Erntearbeit zu beginnen.“ Am Ende stehen mit den Ziel- und Herkunftsdaten beschriftete Säcke mit Rohware bereit für den Export in die Abnehmer-Länder.
Die 20 großformatigen Bilder kommen als berührender Mix aus nüchterner Sachlichkeit und einem liebevollen Blick auf die Menschen daher, die im subtropischen Hochland mühevoll ackern – um am Ende peinlich gering entlohnt zu werden. Eine lebhafte Fragerunde im Anschluss, gemeinsam mit einem jungen Studenten aus Jinotega, dessen Familie neben Gemüse auch „etwas Kaffee“ anbaut und der gerade zu Besuch in Solingen war, machte deutlich, wie krass das Gefälle zwischen den dortigen und den hiesigen Lebensstandards ist.
„Der klassische Kaffeehandel ist eine konsequente Fortführung der wirtschaftlichen Ausbeutung durch die ehemaligen Kolonialstaaten“, sagte Sybille Arians, die damit zu Julia Ogiermann von der Verbraucherzentrale überleitete: Ihr Thema war der faire Handel, gekennzeichnet durch leider unübersichtlich Gütesiegel an den Produkten, die für festgelegte Standards stehen.
„Das blaugrüne Label der Dachorganisation FLO garantiert den beteiligten Landwirten ein existenzsicherndes Einkommen, eine Vorfinanzierung der nächsten Ernte – um zum Beispiel Saatgut kaufen zu können –, langfristige Handelsbeziehungen und angemessene Arbeitsbedingungen, etwa durch Gesundheitsschutz oder das Verbot von Kinderarbeit. Außerdem unterstützt der faire Handel die Umstellung auf Bio-Anbau.

UNRUHEN
Einen kleinen Exkurs im Vortrag gab es über die politische Situation in Nicaragua, die die Wirtschaft im Land und die Kaffeebauern sehr belastet. Im April waren Demonstrationen gegen Verschlechterungen im Sozial-System von der Regierung mit brutaler Gewalt niedergeschlagen worden.

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